Weiterer DWD-Standort im Kreis Holzminden in Betrieb

Auch in Hellental wird jetzt Niederschlag gemessen

Seit Ende September gibt es auf der Karte der DWD-Stationen einen neuen Punkt im Landkreis Holzminden: Nach über einem Jahr konnte in Heinade-Hellental ein Nachfolgestandort für die langjährige Niederschlagsstation Dassel eingerichtet und in Betrieb genommen werden. Der Standort Dassel musste wegen des Todes des ehrenamtlichen Beobachters im Juli 2017 geschlossen werden, seither suchte die Regionalzentrale Hamburg des Deutschen Wetterdienstes einen Nachfolger. Aus dem Ort selbst lagen offenbar keine Bewerbungen vor, im Frühjahr war Hehlens Bürgermeister Sebastian Rohde auf dieses Gesuch des DWD aufmerksam geworden und ist seit dem Sommer als Niederschlagsbeobachter für den staatlichen Wetterdienst in seinem Heimatort aktiv. Über diese neue Station im Nordkreis hatte der Tägliche Anzeiger Holzminden ausführlich in seiner Ausgabe vom 26.07.2018 berichtet und dabei auch noch einmal die Gesuche des DWD nach ehrenamtlichen Beobachtern in Dassel, Polle und Beverungen bzw. deren näherer Umgebung veröffentlicht. Auf diesen Lokalzeitungsartikel hin hatte sich ein Leser aus Hellental am Rande des Sollings für den Nachfolgestandort von Dassel beworben und nach einigen Wochen den „Zuschlag“ bekommen.
Seit dem Morgen des 1. Oktober gibt es nun eine tägliche Meldung über den gefallenen Niederschlag in Hellental. Der Standort zählt ebenso wie Hehlen zum konventionellen Niederschlagsmessnetz des DWD. An solchen Stationen ist ein auch als „Hellmann“ (nach seinem Erfinder, dem preußischen Meteorologen Gustav Hellmann) bezeichneter Regenmesser im Einsatz. Der Niederschlag fällt in ein Auffanggefäß mit einer normierten Öffnungsfläche von 200 cm² durch einen Trichter in eine Sammelkanne, die der Beobachter zu einem festgelegten Ablesetermin am Morgen (05:50 Uhr UTC = 06:50 Uhr MEZ / 07:50 Uhr MESZ) in einen Zylinder entleert und anschließend die Menge in Zehntelmillimetern anhand der Skala auf Augenhöhe abliest. Ein Millimeter entspricht dabei einem Liter pro Quadratmeter. Dieser Messwert wird anschließend zeitnah über eine Eingabeseite im Internet an den DWD übermittelt, von wo aus die Messung nach einer ersten formalen automatischen Prüfung weiterverbreitet wird.
Am schnellsten sind die Daten auf dem CDC-ftp-Server des DWD unter CDC-ftp-Server des DWD (dort auf die zip-Datei im Ordner Datei:tageswerte_RR_00923_akt.zip klicken) oder über den Anbieter Kachelmannwetter (Beispiellink zum Messwert vom Morgen des 1.10.) abzurufen.

Auf diesen Seiten finden sich auch die Messwerte der anderen DWD-Stationen im Kreis, deren Zahl auf nunmehr sechs angewachsen ist: Neben den Standorten in Hehlen auf 133 m und Hellental auf 270 m zählt auch noch Polle auf ebenfalls 270 m (Wilmeröder Berg), wo weiterhin ein Nachfolger für die Betreuung gesucht wird, zum konventionellen Niederschlagssmessnetz. Dazu kommen die automatisch arbeitenden Niederschlagsstationen in Ottenstein auf 295 m und Eimen-Vorwohle auf 265 m, an denen der fallende Niederschlag elektronisch erfasst und stündlich an den DWD übermittelt wird, ohne dass hierfür eine Eingabe des Betreuers notwendig ist. Automatisch arbeitet schließlich auch die einzige Klimastation im Kreis in Bevern auf 110 m (Typ AMDA III oder WST III), wo neben dem Niederschlag auch die Temperatur in 2 m und 5 cm Höhe sowie die Luftfeuchte gemessen wird.
Ganz ohne Menschenhand geht es aber auch an den automatischen Stationen nicht: An allen sechs Standorten wird zwischen dem 1. Oktober und 30. April auch die Schneehöhe gemessen und erfasst, und dies geschieht – wenn denn einmal Schnee gefallen ist – klassisch von Hand durch den ehrenamtlichen Beobachter.  Hierbei haben die Betreuer an den konventionellen Stationen etwas mehr zu tun, denn wenn Schnee gefallen ist, muss dieser aufgetaut werden, um auch die Höhe des flüssigen Niederschlags zu bestimmen. Dazu verfügt jeder Beobachter über einen zweiten „Hellmann“, der im Falle von festem Niederschlag im Auffanggefäß zum Ablesezeitpunkt am Morgen gegen den anderen ausgetauscht wird. Anschließend wird der Schnee im Messgefäß, das mit einem Deckel verschlossen wird, in einem nicht zu warmen Raum langsam aufgetaut und dann die Entleerung der Sammelkanne und die Ablesung und Meldung vorgenommen. Daher liegen die Tageswerte des Niederschlags an konventionellen Stationen im Falle von Schnee und Eis erst etwas später vor. An den automatisierten Standorten sorgt je nach Bauart des Ombrometers entweder Frostschutzmittel oder eine Beheizung dafür, dass die Messung permanent erfolgen kann.
Höhenlagenbedingt dürfe der neue Betreuer in Hellental ebenso wie seine Kollegen in Ottenstein und Vorwohle häufiger Schnee messen und melden als die Beobachter an den tiefer gelegenen Standorten Bevern und Hehlen. Gerade in den letzten beiden Wintern gab es ja deutliche Unterschiede bei der Anzahl der Schneedeckentage und der Schneehöhe zwischen dem Wesertal und den Höhenzügen des Kreises. Dies belegen besonders die Messungen am Standort im Silberborner Kurgarten auf rund 430 m über NN, wo jeweils bis zu 36 cm gemessen wurden. Diese Station gehört zwar nicht zum offiziellen DWD-Netz, verfügt aber über dieselbe Niederschlagsmesstechnik mit zwei Hellmann-Geräten, von denen einer freundlicherweise vom DWD Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Und die Schneemessung erfolgt dort wie hier mit einem Schneepegel oder einem gewöhnlichen Zollstock.
Aber bis es soweit ist, wird es in diesem Jahr noch etwas dauern, anders als vor drei Jahren, als bereits am Morgen des 13. Oktober der erste Schnee in den höheren Lagen gefallen war: Fulminantes Sommercomeback mitten im Herbst

Der neue Standort in Hellental an der Hauptstraße:

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Bericht über die Niederschlagsstation Hehlen im TAH vom 26.07.2018:

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Fulminantes Sommercomeback mitten im Herbst

27,3 °C: Neuer Oktoberrekord an der DWD-Station Bevern

Nachdem es vor zwei Wochen stellenweise bereits den ersten leichten Frost gegeben hatte, in den Niederungen am Boden, in den höheren Lagen des Sollings auch in der Luft, schien das Kapitel Sommer und Wärme für dieses Jahr zu den Akten gelegt.
Doch nach einem zunächst verhaltenen Start in den Oktober feierte das Sommerwetter in den letzten Tagen mitten im Herbst ein fulminantes Comeback und trieb die Temperaturen auf neue Rekordhöhen.

Schon am Freitag war mit 25,4 °C an der DWD-Station in Bevern ein neuer Höchstwert und zugleich erstmals ein meteorologischer Sommertag in einer zweiten Oktoberdekade gemessen worden, doch der Samstag setzte noch einmal fast zwei Grad drauf:  Mit Sonnenunterstützung von Auf- bis Untergang und Südwind erwärmte sich die Luft bis auf 27,3 °C, womit nicht nur der erst einen Tag alte Dekadenspitzenwert erneut verbessert, sondern sogar ein neuer Monatsrekord aufgestellt wurde. Noch nie zuvor war es im Oktober in der Region derart warm geworden, der alte Höchstwert lag bei 27,1 °C und wurde am 1.10.2011 gemessen.
Auch wenn der neue Rekord auf den ersten Blick „nur“ 0,2 Grad mehr beträgt, gilt es den jahreszeitlichen Gang der Dinge berücksichtigen, ist doch die Strahlungsintensität der Sonne zwölf Tage später schon wieder ein ganzes Stück geringer. Doch das Extremwetterjahr 2018 übersprang auch diese Hürde und sorgte nebenbei für den mittlerweile 82. (!) Sommertag, an dem sich so mancher vermutlich gewünscht hat, dass die Freibäder nochmals öffnen. Bis nach Sonnenuntergang genossen viele den Sommernachschlag in der Region im Freien und vielleicht hat sich dabei der eine oder andere sogar an den 13. Oktober 2015 erinnert: Auf den Tag genau drei Jahre zuvor blieb es mit nur 4,8 °C – wohlgemerkt als Höchsttemperatur – tagsüber nicht nur außergewöhnlich kalt, es gab sogar einen frühen Wintergruß mit dem ersten Schnee in den Morgen- und Vormittagsstunden.  Davon bleiben wir zunächst einmal noch weit entfernt in diesem Jahr: Auch wenn der Höhepunkt der Wärme mit dem Rekordsamstag erreicht worden sein dürfte, sieht es auch für die kommenden Tage nach ungewöhnlich hohen Temperaturen für Mitte Oktober aus.

Die Wetterlage heute um 14 Uhr MESZ: Wenn „alles passt“

Hoher Luftdruck östlich und tiefer westlich von uns sorgte für eine südliche Strömung, die nicht nur warme Luftmassen (ca. 13 Grad in der 850 hPa-Fläche, die heute auf ca. 1.550 m Höhe zu finden war) nach Deutschland führte, sondern auch recht trockene Luft und Wind, so dass anders als oft bei herbstlichen Hochdrucklagen weder eine Inversion noch Nebel und auch keine Wolkenbildung, nicht einmal Cirrenfelder, eine Rolle spielten. Dies führte zu ungehinderter Einstrahlung, lokalen Lee-Effekten und guter vertikaler Durchmischung der Luftmasse, so dass sich die Erwärmung voll bis zum Boden durchsetzen konnte: Der Spitzenwert in 2 m Höhe über Grund an der auf 110 m über NN gelegenen Beveraner Station lag um fast 15 K über der T850 – trotz der genannten günstigen Umstände und der dies noch zusätzlich unterstütztenden trockenen Böden ein für Mitte Oktober außergewöhnlich hoher Gradient.

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Die Diashow zeigt Abendstimmungen an diesem Wochenende, der Zeitungsausschnitt aus dem TAH vom 15.10.2015 erinnert an den Wintereinbruch drei Jahre zuvor:

 

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Der September 2018 im Hochsolling

Im ersten meteorologischen Herbstmonat setzte sich das sehr warme Wetter der Vormonate auch an der privaten Wetterstation in Silberborn zunächst fort, die ersten drei Wochen waren überwiegend spätsommerlich geprägt. Am dritten Wochenende beendete dann eine markante Kaltfront den Sommer und zum kalendarischen Herbstbeginn setzte sich der Jahreszeit entsprechende, teils sogar zu kühle Witterung durch, die am Morgen des 29. sogar den ersten Luftfrost brachte – ein selbst im Hochsolling ungewöhnlich früher Zeitpunkt.

Die Mitteltemperatur betrug 13,2 °C und lag damit um 1,2 Grad über dem Mittelwert der Klimaperiode 1981-2010. Am wärmsten wurde es am 18.08. mit 28,6 °C – so warm war es so spät im Jahr zuletzt 1947. Auf der anderen Seite der Skala stand der erste Frost mit -0,7 °C am Morgen des 29.09.

Unter überwiegendem Hochdruckeinfluss setzte sich die Trockenheit der letzten Monate weiter fort, lediglich am 23. fiel mit 17,9 mm Tagesniederschlag mal wieder eine größere Regenmenge. Die Monatssumme betrug aber lediglich 33,1 mm und damit nur ein Drittel des langjährigen Mittelwerts von 98,1 mm.

Dafür gab es erneut Sonne satt: Mit rund 192 Stunden wurde das Klimamittel um 50% überschritten. Dazu war der Wind meist schwach bis mäßig unterwegs, nur vor der Kaltfront am Mittag des 21.09. frischte er auf und brachte einzelne stürmische Böen (Bft. 8).

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Späte Hitze und früher Frost

Rückblick auf den September 2018 an der DWD-Station Bevern

Der erste meteorologische Herbstmonat präsentierte sich in den ersten drei Wochen überwiegend sommerlich und verlängerte die seit April andauernde beispiellose Wärme und Trockenheit fast auf den Tag genau bis zum Ende des astronomischen Sommers. Anschließend setzte sich der Herbst nicht nur auf dem Kalender, sondern auch bei der Witterung durch. Außergewöhnlich kalte Nächte zum Monatsende zeigten das zweite Gesicht des Wetterjahres 2018, das sich bisher kaum einmal mit Mittelmaß begnügt und immer wieder kräftige Ausschläge bei den Temperaturen zeigt – meist hin zur warmen Seite, zeitweise aber auch in Richtung unteres Ende der Skala wie im Spätwinter und nun Ende September. Trotz Dauerregens am dritten Sonntag, unter dem verschiedene regionale Veranstaltungen zu leiden hatten, blieb es in der Monatsbilanz erneut deutlich zu trocken, während die Sonne wieder eine Reihe von Überstunden leistete.

Mit einer Mitteltemperatur von 15,0 °C war es an der DWD-Station in Bevern um 1,1 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. 15 wärmeren Septembern stehen 68 kältere und ein gleich warmer in der Klimareihe Holzminden/Bevern ab 1934 gegenüber. Ungewöhnlich hoch war wie schon in den Vormonaten die Anzahl der meteorologischen Sommertage: Der September steuerte elf solcher Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 25 Grad zur Jahresbilanz von mittlerweile 80 Stück bei – der alte Rekord von 64 aus dem Jahr 2006 wurde damit geradezu pulverisiert. Die 20-Grad-Marke wurde im September an 21 Tagen überschritten und im Jahresverlauf bereits 138 Mal, auch diese Zahl war zuvor kaum vorstellbar. Zum Vergleich: Das Jahr 1962 brachte ganze 60 solcher warmen Tage, der langjährige Durchschnitt liegt bei 96.

Und selbst in Sachen Hitze setzte der September noch einen drauf: Am 18. wurden in Bevern 31,9 °C gemessen, dies war der 33. heiße Tag des Jahres und zugleich ein neuer Tagesrekord. In der Klimareihe Holzminden/Bevern, in der Tageswerte leider erst ab 1951 vorliegen bzw. erhalten sind, wurde noch nie zuvor zu einem so späten Zeitpunkt im Jahr die 30-Grad-Marke überschritten. 1947 war es allerdings am 19. und 20. in der Region noch heißer. Das zweite Nachkriegsjahr hatte seinerzeit Wettergeschichte geschrieben mit dem mit Abstand wärmsten Sommerhalbjahr: 16,4 °C betrug damals die Mitteltemperatur der Monate April bis September – ein Wert, der 70 Jahre lang unangetastet geblieben war und nun 2018 mit 17,3 °C deutlich übertroffen wurde.

Mit einer markanten Kaltfront, die am Mittag des 21. für stürmische Böen und einen Temperatursturz von über zehn Grad sorgte, verabschiedete sich der längste Sommer aus der Region. Vor allem nachts und in den Morgenstunden brachte die letzte Woche des Monats für die Jahreszeit ungewöhnlich tiefe Temperaturen, da die zuvor eingeflossene kältere Luft erneut unter Hochdruckeinfluss geriet und es in den länger werdenden Nächten ohne schützende Wolkendecke stark auskühlen konnte. In den Morgenstunden bildete sich in Wesernähe mehrfach Nebel, der von der Septembersonne aber noch rasch aufgelöst werden konnte. Außergewöhnlich kalt ging es zum Monatsende zu: Mit 0,4 °C Tiefsttemperatur wurde in Bevern am Morgen des 29. ein neuer Dekadenrekord aufgestellt, dazu gab es zweimal Bodenfrost in 5 cm Messhöhe.

Hochdruck prägte nicht nur die frischen und sonnigen letzten Tage, sondern weite Strecken des Monats, wobei es durchaus auch wolkige Phasen gab, die aber mit Ausnahme des 23. keinen nennenswerten Regen brachten. Atlantische Tiefs konnten sich nur kurzzeitig durchsetzen, das Niederschlagsdefizit verschärfte sich nach dem nunmehr fünften deutlich zu trockenen Monat in Folge sogar noch. Nachdem der Pegel der Weser weiter gesunken war, musste die Poller Fähre ihren Betrieb ab Monatsmitte vorübergehend einstellen.

Mit 28,0 mm Monatsniederschlag wurden in Bevern nur 38,8% des langjährigen Mittels erreicht, wovon mehr als die Hälfte am verregneten kalendarischen Herbstbeginn fiel, während es an 20 Tagen trocken blieb. Auch hier lohnt ein Blick auf die Sommerhalbjahresbilanz: Die Regensumme von April bis September betrug in Bevern lediglich 172 mm und lag damit so niedrig wie noch nie seit Messbeginn 1935. Im zuvor trockensten Sommerhalbjahr waren 1976 immerhin 226,9 mm gefallen.

Die Sonne zeigte sich rund 193,5 Stunden am Himmel und schien damit knapp 50 Stunden oder 45% länger als im Mittel der Jahre 1981-2010. Bis auf Januar und Juni fielen alle Monate des Jahres deutlich sonniger aus als im Durchschnitt, besonders scharf ist der Kontrast zum trüben September des Vorjahres, der es nicht einmal auf die Hälfte des aktuellen Wertes brachte.

Monatsübersicht_2018_09Monatsdiagramm2018_09

 

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Dieses Wetterjahr kann auch „kalt“

Außergewöhnliche Tiefstwerte am Samstagmorgen im Wesertal und im Solling

0,4 Grad am Samstagmorgen in Bevern und ein erster leichter Luftfrost in Silberborn – auf den ersten Blick sieht das für Ende September nach einer „Hund-beißt-Mann-Geschichte“ aus und scheint eher keine Meldung wert zu sein – doch wie so oft zeigt sich die Besonderheit des Moments erst nach genauerem Hinsehen. Und dieser Blick in die lokale Wettergeschichte lohnt sich, fördert er doch zutage, dass in Bevern ein neuer Rekordtiefstwert in einer dritten Septemberdekade gemessen wurde – mindestens zurück bis ins Jahr 1951, ab dem Tageswerte für die Klimareihe Holzminden und Bevern des Deutschen Wetterdienstes vorliegen. Und auch wenn man den gesamten Monat betrachtet, findet sich nur ein zweifelsfrei dokumentierter tieferer Wert: Am 16.09.1971 sank das Quecksilber am damaligen Stationsstandort Über dem Gerichte in Holzminden auf -0,5 °C, zugleich der einzige bisher überhaupt im September registrierte Luftfrost der Messreihe.
Fünf Zentimeter über dem Erdboden betrug der Tiefswert am heutigen Morgen in Bevern -1,8 °C – der erste Bodenfrost des Herbstes trat damit in diesem Jahr deutlich früher auf als im vergangenen, als erst am 6. November erstmals der Gefrierpunkt in dieser Messhöhe unterschritten wurde und das mit damals -0,3 auch nur geringfügig.

In Silberborn gab es an der privaten Station im Kurgarten mit einem Tiefstwert von -0,7 °C, vorschriftsgemäß zwei Meter über mit Rasen bewachsenem Grund und mit belüftetem Temperatursensor gemessen, sogar den ersten Luftfrost des Herbstes – und auch hier lohnt der Blick in die Messgeschichte, denn anders als man angesichts der Höhenlage von über 400 m vermuten dürfte, ist Septemberfrost auch im Hochsolling ein äußerst seltenes Ereignis. Während der Messungen der Kurklimastation im DWD in den Jahren 1975 bis 2008 (in den ersten acht Jahren in Neuhaus) ist kein einziger Frost in einem September gemessen worden und auch wenn man die Klimareihe in Torfhaus auf 491 m Höhe von 1937-1966 zu Rate zieht, finden sich lediglich in den Septembern der Jahre 1939 und 1943 vereinzelte Luftfröste im Hochsolling. Leider existieren von dort aus den Jahren 1968-1974 und 2009-2016 keine Messungen.

Interessant ist auch der Vergleich des Temperaturverlaufs an diesem Morgen:
Während die Tiefstwerte an beiden Stationsstandorten gegen 07:15 Uhr erreicht wurden, war es in Silberborn zwei Stunden später schon fast neun Grad wärmer, in Bevern hingegen verharrte die Temperatur zunächst eine halbe Stunde um das Minimum herum und stieg dann sehr zögerlich an, hier ging es bis 09:15 Uhr nur um gut drei Grad aufwärts. Während sich die schwerere Kaltluft wie im Lehrbuch talwärts sammelte und sich über der Weser zudem Nebel bildete, profitierte Silberborn bereits von der Ende September immer noch recht kräftigen Sonnenstrahlung.

Das Wetterjahr 2018 bleibt sich also auch in diesen Tagen treu nach dem Motto:
Ich kann alles außer Mittelmaß.

Den besten Blick hatten Gleitschirmflieger von oben auf das Naturschauspiel:

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Ein Sommer der Superlative

Auch im Holzmindener Oberwesertal war der Sommer 2018 rekordtrocken und brachte außergewöhnlich viel Hitze. Dies bestätigt die Auswertung der Messwerte der DWD-Station in Bevern und die Einordnung in die Klimareihe Holzminden/Bevern. Bei der Mitteltemperatur landeten sowohl der August als auch der meteorologische Sommer auf Platz zwei hauchdünn hinter 2003, bei der Anzahl Hitze- und Sommertage wurden die Bestmarken von vor 15 Jahren deutlich übertroffen und beim Niederschlag brachten Juli, August und der Gesamtsommer neue Trockenheitsrekorde. Dazu war es im Oberwesertal der viertsonnigste Sommer seit Beginn der Sonnenscheinmessungen 1951.

August: Sehr warm und kaum Regen

Mit einer Mitteltemperatur von 20,2 °C war es an der Beveraner DWD-Station 2,5 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Erst zum dritten Mal lag die Monatstemperatur in einem August in der seit 1934 bestehenden Messreihe oberhalb der 20-Grad-Marke. Zusammen mit 1997 war es der zweitwärmste August nach 2003. Mit 13 heißen Tagen mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad wurde der Rekord aus dem August 2003 eingestellt und an nur einem Tag die 20-Grad-Marke nicht erreicht.

An drei Tagen wurde neue Tagesrekorde bei den Höchstwerten gemessen und am 7. August mit 37,0 °C der absolute Temperaturrekord am Standort Bevern vom 4. Juli 2015 eingestellt. Heißester Tag seit Beginn der regionalen Wetterbeobachtungen bleibt der 09.08.1992, als in Boffzen (DWD-Ersatzstation 1992-1996) 37,9 °C registriert wurden. Ob es auch während der Hitzewelle im August 2003, als im LK Holzminden nur in Silberborn auf 440 m gemessen wurde, in den tiefen Lagen ein paar Zehntel über 37 Grad ging, kann nicht zweifelsfrei ermittelt werden, es spricht aber einiges dafür, dass dies am 12.08.2003 der Fall war, möglicherweise (allerdings mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit) auch am 09.08.2003.

Markant war erneut die Trockenheit, wie schon im Juli wurde auch im August ein neuer Negativrekord bei der Niederschlagssumme des Monats aufgestellt. Mit nur 13,2 mm (17,1% des Mittels 1981-2010) – aus zwar immerhin 13 Niederschlagstagen, die aber nur sehr geringe Mengen brachten – wurde der erst neun Jahre alte Rekord aus dem Jahr 2009 deutlich unterboten. Die Dürreschäden in Natur und Landwirtschaft verschärften sich damit weiter.

Mit rund 238 Stunden schien die Sonne etwa 49 Stunden oder 26% länger als im Mittel der Jahre 1981-2010, dieser Wert ist aber nicht rekordverdächtig. Am sonnigsten und wärmsten war es in der ersten Monatsdekade, als sich die Hitzewelle aus dem Juli nahtlos fortsetzte. Mit einer Kaltfront am Abend des 9. August wurde die heiße Luftmasse verdrängt und es folgte ein wechselhafterer und deutlich weniger warmer Abschnitt. Doch ab Monatsmitte stiegen die Werte für gut eine Woche wieder regelmäßig auf 26-31 Grad, bevor es in der letzten Woche des Monats dann kaum noch über 23 Grad warm wurde. Erst diese zweite Abkühlung verhinderte, dass der Sommer 2018 den 2003er auch bei der Mitteltemperatur überholte.

Sommer: Extreme Trockenheit und fast 30 Hitzetage

Die Mitteltemperatur des Sommers betrug in Bevern 19,74 °C und lag damit nur ein knappes Zehntelgrad unter der des Sommers 2003. Die Abweichung gegenüber dem 30-Jahres-Mittel von 1981-2010 betrug +2,4 Grad. Erstmals in der Geschichte übertrafen zwei Sommermonate (Juli und August) die Marke von 20 Grad bei der Monatsmitteltemperatur. Mit 29 heißen Tagen wurde bisherige Spitzenwert aus dem Sommer 2003 von 21 bei weitem distanziert, wobei recht viele Hitzetage in diesem Sommer im Bereich zwischen 30,0 und 31,5 Grad auftraten. Auch bei den Sommertagen und warmen Tagen gab es mit 52 bzw. 83 Tagen neue Rekorde.

Von Juni bis August wurde ein markanter neuer Trockenheitsrekord aufgestellt: Mit 64,9 mm wurde die bisherige Tiefstmarke der Reihe Holzminden/Bevern aus dem Sommer 1983 um 35,6 mm unterboten und das langjährige Mittel um über 70% verfehlt. Anhand der noch länger zurückreichenden Niederschlagsreihen der Umgebung wie Aerzen-Reher, Alfeld, Lippoldsberg und auch der Sollingreihen Neuhaus und Schießhaus lässt sich zweifelsfrei ableiten, dass es sogar der trockenste Sommer seit mindestens 1878 war.

Mit 742,9 Stunden schien die Sonne etwa 165,5 Stunden länger als im Mittel der Jahre 1981-2010 bzw. übertraf dieses um 28,7%. Damit dürfte der Sommer 2018 der viertsonnigste seit Messbeginn dieses Parameters im Jahr 1951 gewesen sein. 1959, 1976 und 2003 sollte es nach den vorliegenden Daten noch mehr Sonnenschein im Sommer gegeben haben.

Noch eklatanter sticht der Sommer 2018 im Vergleich mit seinem direkten Vorgänger heraus: Dieser war zwar mit 17,93 °C nicht kühl, aber doch um 1,8 Grad weniger warm. Viel frappierender ist der Kontrast beim Sonnenschein und beim Niederschlag: 2017 war es mit nur 529 Stunden sehr trüb (214 Stunden, das ist ein gutes Monatsmittel, schien die Sonne in diesem Jahr länger) und es fielen fast 353 mm mehr Regen, was für den zweitnassesten Sommer der Messreihe nach 1956 sorgte. Zumindest beim Niederschlag folgten also zwei gegensätzliche Extreme direkt aufeinander. Wie 2017 lag der Wert außerhalb des 2-Sigma-Intervalls (Mittelwert plus bzw. minus zweifache Standardabweichung). Auch unter Berücksichtigung des Einflusses des Klimawandels wurden wir damit Zeugen zweier statistisch extrem unwahrscheinlicher Ereignisse innerhalb eines so kurzen Zeitraums.

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Neue Rekorde bei Trockenheit und Sonnenschein

Rückblick auf August und Sommer 2018 im Hochsolling

Im letzten meteorologischen Sommermonat dominierte zunächst weiter die seit der zweiten Julihälfte vorherrschende sehr warme bis heiße Witterung, bevor es ab der zweiten Dekade langsam wechselhafter wurde und sich bei den Temperaturen ein Auf und Ab auf meist überdurchschnittlichem Niveau einstellte.

Die Mitteltemperatur im August betrug 17,9 °C und lag damit um 2,2 Grad über dem Mittelwert der Klimaperiode 1981-2010. Am wärmsten wurde es am 07.08. mit 34,1 °C – nur 0,1 Grad unter dem Rekord vom 09.08.1992 und zugleich der Höchstwert des Sommers, der mit 17,5 °C Mitteltemperatur der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn war und das Klimamittel um 2,3 Grad übertraf. Nur 2003 war es noch um ein knappes Zehntelgrad wärmer. Mit neun heißen Tagen von mindestens 30,0 °C Höchsttemperatur verfehlte der Sommer 2018 die Bestmarke von 2003 nur um einen Tag, bei den Sommertagen (>=25,0 °) wurde der Rekord von 2003 mit 32 eingestellt.

Im August fielen lediglich 31,6 mm Regen und im Sommer 111,6 mm – beides sind neue Trockenheitsrekordwerte in der Hochsolling-Messreihe. Von den 30-Jahres-Mitteln der Jahre 1981-2010 wurden nur 34,3% (August) bzw. 39,9% (Sommer) erreicht.

Die Sonnenscheindauer betrug im August überdurchschnittliche ca. 235 Stunden (122,8% vom Mittel 1981-2010) und der Sommer 2018 übertraf das Klimamittel sogar um 28,7% und geht mit rund 738 Stunden als rekordsonnig in die Klimastatistik ein.


August 2018 an der Station Holzminden-Silberborn (428 m ü. NN):

Monatsmitteltemperatur: 17,95 °C
Maximummittel: 23,9 °C
Minimummittel: 11,8 °C
Maximum: 34,1 °C am 07.08.2018
Niedrigstes Maximum: 15,0 °C am 25.08.2018
Minimum: 4,1 °C am 26.08.2018
Höchstes Minimum: 17,8 °C am 02.08.2018
Höchstes Tagesmittel: 26,1 °C am 07.08.2018
Niedrigstes Tagesmittel: 10,4 °C am 25.08.2018
Warme Tage  >= 20,0 °C: 22
Sommertage >= 25,0 °C: 13
Heiße Tage >= 30,0 °C: 3
Tropennächte >= 20 °C: 1

Niederschlagssumme: 31,6 mm   – neuer Trockenheitsrekord –
Höchste Tagessumme*: 9,6 mm am 09.08.2018
*(07:50 Uhr bis 07:50 Uhr MESZ Folgetag)
Tage mit messbarem Niederschlag: 12
Tage ohne Niederschlag: 19

Mittlere relative Luftfeuchte: 69,9%

Mittlerer Luftdruck (reduziert auf Meereshöhe): 1.016,1 hPa
Maximum: 1.024,4 hPa am 31.08.2018
Minimum:  1.005,5 hPa am 13.08.2018

Berechnete Sonnenscheindauer: ca. 235 Stunden

Maximale Windböe*: 77,5 km/h am 09.08.2018
* berechnet auf 10 m über Grund am Stationsstandort


Sommer 2018 an der Station Holzminden-Silberborn (428 m ü. NN):

Mitteltemperatur: 17,5 °C
Maximummittel: 23,0 °C
Minimummittel: 11,5 °C
Maximum: 34,1 °C am 07.08.2018
Niedrigstes Maximum: 12,1 °C am 24.06.2018
Minimum: 4,1 °C am 26.08.2018
Höchstes Minimum: 18,9 °C am 25.07.2018
Höchstes Tagesmittel: 26,1 °C am 07.08.2018
Niedrigstes Tagesmittel: 9,6 °C am 22.06.2018
Kühle Tage < 15,0 °C: 6
Warme Tage  >= 20,0 °C: 68
Sommertage >= 25,0 °C: 32
Heiße Tage >= 30,0 °C: 9
Tropennächte >= 20 °C: 1

Niederschlagssumme: 111,6 mm  – neuer Trockenheitsrekord –
Höchste Tagessumme*: 14,3 mm am 12.07.2018
*(07:50 Uhr bis 07:50 Uhr MESZ Folgetag)
Tage mit messbarem Niederschlag: 29
Tage ohne Niederschlag: 63

Mittlere relative Luftfeuchte: 71,8%

Mittlerer Luftdruck (reduziert auf Meereshöhe): 1.016,3 hPa
Maximum: 1.025,4 hPa am 26.+27.06.2018
Minimum:  1.005,5 hPa am 28.07.2018

Berechnete Sonnenscheindauer: ca. 738 Stunden   – neuer Rekord –

Maximale Windböe*: 77,5 km/h am 09.08.2018
* berechnet auf 10 m über Grund am Stationsstandort

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Einen der heißesten Tage seit Messbeginn…

… erlebte die Weser-Solling-Region am heutigen Dienstag. Am Nachmittag wurde an der DWD-Station in Bevern mit 37,0 °C nicht nur das Maximum dieses Sommers erreicht, sondern auch der Stationsrekord an diesem Standort (Messbeginn: 01.07.2006) vom 04.07.2015 eingestellt. Wie ist dieser Wert in die Geschichte der Wetterbeobachtungen im Landkreis einzuordnen?
Während der Messungen in Holzminden (1934-1991, Tageswerte liegen nur aus der Zeit ab 1951 vor) lag der historische Höchstwert bei vergleichsweise bescheidenen 35,9 °C, aufgestellt am 08.07.1959. Der Standort Holzminden wurde am 31.07.1991 aufgelöst, bis zur Aufnahme der Messungen in Bevern und dem Anschluss an die bestehende Zeitreihe klafft eine fast 15jährige Messlücke.

Von Bedeutung für mögliche historische Höchstwerte sind aus dieser Zeit der 09.08.1992 und der 12.08.2003.
Von Mai 1992 bis Juli 1996 gab es im Südkreis eine nebenamtliche DWD-Klimastation  in Boffzen auf 105 m Höhe, dort wurden am 09.08.1992 37,9 °C gemessen, das ist der bis heute höchste offiziell in der Region registrierte Wert. Allerdings fiel diese Station gelegentlich durch gegenüber der Umgebung recht hoch erscheinende Maxima auf, so dass es fraglich ist, ob man diesen Wert für die Reihe Bevern/Holzminden
übernehmen kann.
Am 12.08.2003 gab es keine Station im Wesertal, daher müssen zur Abschätzung des damaligen Höchstwertes Stationen aus der weiteren Umgebung herangezogen werden. Hameln meldete ein Maximum von 37,8 °C, Wahlsburg-Lippoldsberg von 36,3 °C, Lügde-Paenbruch von 35,7 °C, Moringen-Lutterbeck von 35,6 °C und im Solling in Silberborn wurden 34,0 °C gemessen. Hameln und Wahlsburg-Lippoldsberg wurden seither verlegt,
in Silberborn wird nun privat an einem zwölf Meter tieferen Standort gemessen, Lügde und Moringen blieben unverändert. Und nun das verblüffende Ergebnis: Lügde hatte heute dasselbe Maximum wie vor 15 Jahren, Moringen ein um nur 0,1 K tieferes –  und Silberborn ein um ein Zehntelgrad höheres, was sich durch die Verlegung auf den etwas tieferen Standort plausibel erklären lässt – also dreimal quasi dasselbe Maximum wie 2003.
Zieht man nun auch noch den 04.07.2015 heran, findet man in Lügde und Moringen exakt dieselben Höchstwerte wie am 12.08.2003!
Daraus lässt sich ableiten, dass am Standort Bevern damals ein vergleichbarer Wert wie heute gemessen worden wäre – letztlich muss man aber von einer Fehlertoleranz von ca. +- 0,3 Kelvin bei einer solchen Schätzung ausgehen.

Somit lassen sich folgende historischen Höchstwerte für die Region festhalten:
– Oberwesertal (ab 1951, unterbrochen 1991-1992 und 1996-2006):
1. 37,9 °C am 09.08.1992 in Boffzen auf 105 m (DWD, konventionell)
2. 37,0 °C am 12.08.2003 umgerechnet auf den Standort Bevern (Schätzwert)
3. 37,0 °C am 04.07.2015 und am 07.08.2018 in Bevern auf 110 m (DWD, automatisch)

– Hochsolling (ab 1937, unterbrochen von 1966-1975 und 2008-2016):
1. 34,2 °C am 09.08.1992 in Silberborn auf 440 m (DWD-Kurklimastation, konventionell)
2. 34,1 °C am 07.08.2018 in Silberborn auf 428 m (Privat, automatisch)
3. 34,0 °C am 09.+12.08.2003 in Silberborn auf 440 m
Am 04.07.2015 dürfte der Wert in Silberborn ganz knapp unter 34 Grad gelegen haben.

An der Beveraner Station war es zudem heute der 25. heiße Tag des Jahres und der 22. des meteorologischen Sommers – jeweils neue Rekordmarken, die die alten aus 2003 (21) abgelöst haben. Und auch der Rekord an Sommertagen aus dem Jahr 2006 mit 64 könnte schon bald Geschichte sein.

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Sommer, Sonne, Hitze, Dürre: Ein Sommermonat der Extreme

Rückblick auf den Juli 2018 im Oberwesertal

Ein weiterer Monat für die lokalen Wettergeschichtsbücher liegt hinter uns: Der Juli 2018 brachte nicht nur die längste bisher in einem Juli beobachtete Hitzewelle und weit über 300 Stunden Sonnenschein, sondern bezogen auf die Klimareihe Bevern/Holzminden auch die geringste Regenmenge seit Messbeginn 1934. Der zweite meteorologische Sommermonat präsentierte sich damit in markantem Kontrast zum Vorjahr, als Rekordregenfälle die Schlagzeilen beherrschten und die Sonne sich kaum mehr als halb so lang am Himmel zeigte wie in diesem Jahr. Die seit April andauernde Wärmeanomalie ist regional wie bundesweit ohne Beispiel, es ist mit Abstand der wärmste Viermonatsabschnitt von April bis Juli seit Beginn der flächendeckenden Wetterbeobachtungen im Jahr 1881.

Mit einer Mitteltemperatur von 21,0 °C war der Juli 2018 an der Station des Deutschen Wetterdienstes in Bevern um 2,8 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Nur 2006 und 1994 war es im Juli noch wärmer. Auch die Anzahl der meteorologischen Sommertage mit mindestens 25 °C Höchsttemperatur lag mit 23 deutlich über dem Durchschnitt und wurde ebenfalls nur 2006 (28) und 1994 (25) übertroffen. Bei den heißen Tagen mit einem Maximum von mindestens 30 °C wurde der 2006er-Rekord (15) nur um einen Tag verfehlt und noch nie zuvor gab es in einem Juli eine Serie von neun heißen Tagen am Stück, wie sie vom 23. bis 31. auftraten. An den beiden letzten Tagen des Monats wurden neue Tagesrekorde aufgestellt und am 31. das bisherige Jahresmaximum von 35,2 °C gemessen.

Der Monatsverlauf lässt sich in zwei Hälften unterteilen: Die erste begann unter Hochdruckeinfluss und trockenem Nordostwind sehr sonnig, bevor die Strömung auf Nordwest drehte und zum Ende der ersten Dekade wolkenreiche Nordseeluft heranführte, die am 10. die einzigen etwas ergiebigeren Regenfälle des Monats im Gepäck hatte und Temperaturen in Bevern nur auf etwas über 16 Grad ansteigen ließ. In Silberborn war es mit Höchstwerten von 12-14 Grad am 10. und 11. sogar ausgesprochen kühl. Anschließend konnte sich erneut sonniges Hochdruckwetter durchsetzen, wobei die Temperaturen zunächst tagsüber im angenehm sommerlichen Bereich um 25 Grad lagen und es nachts deutlich abkühlte auf teils unter zehn Grad. Bis zum 15. lagen die Temperaturen in der Region im unauffälligen Bereich genau auf dem Niveau des Klimamittels der Jahre 1981-2010.

Nach Monatsmitte konnte sich der hohe Luftdruck weiter nach Norden ausdehnen, Mitteleuropa lag nun wieder häufiger in einer östlichen Strömung und die Temperaturen stiegen deutlich an auf Höchstwerte von regelmäßig 30 Grad und mehr. Die sonst oft im Hochsommer bei heißen Lagen auftretenden Gewitter blieben weitgehend aus und streiften die Region lediglich am letzten Samstag des Monats. Der nächtliche Temperaturrückgang fiel zum Monatsende zunehmend schwächer aus, die Nacht zum 28 war sogar tropisch mit einem Tiefstwert von über 20 Grad – ein in Bevern sehr seltenes Ereignis. Ein Luftmassenwechsel mit Abkühlung ließ auch zum Monatswechsel weiter auf sich warten, da uns atlantische Tiefausläufer wie schon seit Monaten nicht erreichen konnten: Die blockierende Großwetterlage regenerierte sich immer wieder und verhinderte einen Durchbruch der Westströmung, die häufig das wechselhafte Sommerklima in Deutschland prägt.

Trockenster Juli seit Messbeginn

Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen dieser anhaltenden Hochdruckdominanz beim Blick auf die Niederschlagsbilanz: Nur ein Jahr nach dem nassesten Juli seit Messbeginn 1934 mit 209,9 mm Regen folgte in der Reihe Bevern/Holzminden der trockenste mit ganzen 11,4 mm – dies entspricht nur 15% des langjährigen Mittelwerts. Damit wurde der Juli 1983 als Rekordhalter abgelöst, damals waren am Holzmindener Stationsstandort am Bergblick 15,7 mm gemessen worden. Auch die Anzahl der trockenen Tage lag mit 26 auf Rekordniveau.

An den anderen DWD-Messstellen im Kreis kam zwar etwas mehr Regen zusammen, doch auch dort fiel der Monat deutlich zu trocken aus. So wurden an der neuen Station in Hehlen 21,6 mm gemessen (dort gibt es noch keine langjährigen Vergleichswerte), in Ottenstein immerhin 34,9 mm (dort brachten die Gewitter am 28.07. fast 20 mm) und in Vorwohle 18,0 mm. Am letztgenannten Standort mit Daten seit 1951 war es der zweittrockenste Juli nach 1983. Im benachbarten Lüchtringen fielen 22,4 mm, dort war es der vierttrockenste Juli in der seit 1947 bestehenden Messreihe.

Sonnenscheinrekord nur knapp verfehlt

Die Sonne zeigte sich in der Region rund 320 Stunden am Himmel und damit fast doppelt so lang wie im trüben und nassen Vorjahresjuli (163 Stunden). Das Überschreiten der 300er-Marke hat anders als im Nordosten und Südwesten des Landes im vergleichsweise sonnenscheinarmen Weserbergland absoluten Seltenheitswert und war zuvor nur zweimal seit Beginn flächendeckender Sonnenscheinmessungen 1951 dokumentiert worden: Erstmals im Mai 1989 mit 314 Stunden in Holzminden bzw. 317 Stunden in Silberborn und dann noch einmal im Juli 2006, als mit knapp 330 Stunden der Rekordwert erzielt wurde.

An 20 Tagen schien die Sonne über zehn Stunden lang, zu Monatsbeginn waren es bei wolkenlosem Himmel sogar 15,5 Stunden – mehr ist aufgrund der Horizonteinschränkungen nicht messbar.

Das Jahr 2018 ist damit auf dem besten Wege, ein sehr sonnenscheinreiches zu werden. Bereits per Ende Juli sind mit 1.232 Stunden rund 85% des Jahresmittels erreicht, während das sehr trübe Jahr 2017 auf gerade einmal 1.310 Stunden nach zwölf Monaten kam. Zum Schluss noch eine Zwischenbilanz: Nach 2/3 liegt der Sommer 2018 mit einer Temperatur von 19,5 °C per Ende Juli sogar 0,2 Grad über dem Rekordsommer 2003, der damals als Jahrhundertereignis eingestuft wurde. Vor 15 Jahren kam die große Hitze allerdings erst in der ersten Augusthälfte.

Daten der Station Bevern (Betreiber: DWD, 110 m über NN, ID 2323, Datenbasis: DWD, teilweise bearbeitet, Sonnenscheinwerte interpoliert) – Juli 2018:

Monatsmitteltemperatur: 20,98 °C  – Drittwärmster Juli nach 2006 und 1994 –
(+2,4 K vs. 1991-2018, +2,5 K vs. gleitendes 30-Jahres-Mittel, +2,8 K vs. 1981-2010, +3,9 K vs. 1961-1990)
Höchstes Tagesmittel 26,8 °C am 31.07.
Tiefstes Tagesmittel: 13,7 °C am 10.07.
Tmax-Mittel: 28,1 °C
Tmax: 35,2 °C am 31.07.
Tmin-Mittel: 12,7 °C
Tmin: 7,7 °C am 07.07.
Tmin-Mittel 5 cm: 10,6 °C
Tmin 5 cm: 5,5 °C am 07.07.
Warme Tage Tmax>= 20 °C: 29
Sommertage: 23
Heiße Tage: 14

RR: 11,4 mm (15,3% vom Mittel 1981-2010, 15,4% vom Mittel 1961-1990)
– Niederschlagsärmster Juli der Messreihe seit 1934 –
Maximum: 7,4 mm am 10.06.
Tage mit messbarem Niederschlag: 5
Trockene Tage: 26

SSD interpoliert: 320,1 h (159,7% vom Mittel 1981-2010)
Maximum: 15,5 h am 01.+02.07.
Sonnenscheinreiche Tage >= 12 h: 13
Trübe Tage <= 1 h: 2
Davon ohne Sonnenschein: 1

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Rückblick auf den Juli 2018 im Hochsolling

Im zweiten meteorologischen Sommermonat lagen die Temperaturen in der ersten Hälfte meist im Bereich der klimatologischen Durchschnittswerte, bevor es in der zweiten Hälfte markant wärmer wurde und die Rekordzahl von sechs heißen Tagen mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad Celsius aus dem Juli 2006 eingestellt wurde. Somit war es am Ende der drittwärmste Juli der Hochsolling-Messreihe nach 2006 und 1994.

Die Mitteltemperatur betrug 18,9 °C und lag damit um 2,9 Grad über dem Mittelwert der Klimaperiode 1981-2010. Am wärmsten wurde es am 31.07. mit 32,2 °C.

An nur fünf Niederschlagstagen fielen lediglich 30,8 mm Regen, das entspricht nur 30,7% des langjährigen Durchschnitts. Damit war es der zweittrockenste Juli im Hochsolling nach 1983.

Die Sonnenscheindauer erreichte mit ca. 320 Stunden fast den Rekord aus dem Jahr 2006 und war fast doppelt so hoch wie im Juli 2017.

Juli 2018 an der Station Holzminden-Silberborn (428 m ü. NN):

Monatsmitteltemperatur: 18,9 °C
Maximummittel: 24,8 °C
Minimummittel: 11,9 °C
Maximum: 32,2 °C am 31.07.2018
Niedrigstes Maximum: 12,3 °C am 10.07.2018
Minimum: 6,3 °C am 07.07.2018
Höchstes Minimum: 18,9 °C am 25.07.2018
Höchstes Tagesmittel: 25,4 °C am 31.07.2018
Niedrigstes Tagesmittel: 11,0 °C am 10.07.2018
Warme Tage  >= 20,0 °C: 28
Sommertage >= 25,0 °C: 15
Heiße Tage >= 30,0 °C: 6

Niederschlagssumme: 30,8 mm
Höchste Tagessumme*: 14,3 mm am 12.07.2018
*(07:50 Uhr bis 07:50 Uhr MESZ Folgetag)
Tage mit messbarem Niederschlag: 5
Tage ohne Niederschlag: 26

Mittlere relative Luftfeuchte: 65,4%
Mittlerer Luftdruck (reduziert auf Meereshöhe): 1.015,7 hPa
Maximum: 1.022,9 hPa am 08.07.2018
Minimum:  1.005,5 hPa am 28.07.2018

Berechnete Sonnenscheindauer: ca. 320 Stunden

Maximale Windböe*: 67,1 km/h am 28.07.2018
* berechnet auf 10 m über Grund am Stationsstandort

Foto von der anderen Seite des Sollings mit freundlicher Genehmigung von Thomas Seliger, vielen Dank!

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